Lernstörungen:


Allgemein:

Von Lernstörung spricht man dann, wenn ein Kind in seiner Leistung auf einem Gebiet ( z.b. Rechnen, Lesen und/oder Schreiben) deutlich hinter seiner Leistungsfähigkeit (seinem Intelligenzniveau) zurückbleibt. 4% bis 8 % (Zahlen variieren) aller Kinder sind betroffen. Abzugrenzen ist diagnostisch die Lernstörung von der Lernbehinderung. Diese zeichnet sich durch eine reduzierte Allgemein-Intelligenz aus.

Synonyme (sinnverwandt): U.a. Lernschwäche, Lernschwierigkeiten, Lernversagen, Schulversagen, Leistungsstörung, Lernhemmung, Lernschwierigkeit, Teilleistungsschwäche, Arithmasthenie, Rechenschwäche, Leseschwäche u.v.a.m..
Legasthenie, meist verstanden als Lese- und Rechtschreibstörung, und Dyskalkulie, verstanden als Rechenstörung, sind weit gefasste Begriffe, die häufig verwendet werden aber ungenau definiert sind.

Definition Lernstörung: Genauer definiert und erfasst sind Lernstörungen in der medizinischen Diagnostik. Im ICD-10, der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (Störungen des Denken, Fühlen, Handelns) der Weltgesundheitsorganisation WHO, finden sich in Kapitel V / Umschriebene Entwicklungsstörungen und darunter finden sich die Umschriebenen Entwicklungsstörungen der schulischen Fertigkeiten (betreffend Rechnen, Lesen, Schreiben, Rechtschreibung).

Jedes Kind lernt anfänglich gern und es ist stolz auf das was es schon gelernt hat! Wenn es aber häufig Misserfolgserlebnisse hat dann kann es sein, dass es irgendwann entmutigt aufgibt und nicht mehr an sich glaubt. Dann wird es das Versagensgebiet meiden, die innere Haltung annehmen „Das kann ich sowieso nicht!“. Eventuell wird es im Unterricht abschalten und stundenlang an den Hausaufgaben sitzen „Weil ich das ja sowieso nicht kann!“. Das ist der s.g. Teufelskreis Lernstörung, denn dadurch werden die Lücken größer, die Misserfolgserlebnisse noch häufiger, das Selbstvertrauen schwindet weiter, die Leistung auch in anderen Fächern bricht ein usw.

Helfen Sie Ihrem Kind deshalb möglichst frühzeitig. Durch:
  • Abklärung der Ursache des schulischen Versagens
  • Gezielte Hilfsangebote
  • Ihr unvermindertes Vertrauen, Ihre Liebe und Wertschätzung
Es ist wichtig, dass Sie sich, Ihrem Kind und Ihrer Familie klar machen, dass weder Faulheit, noch Dummheit noch ein böser Wille des Kindes hinter den Leistungsausfällen steckt – sondern eine Lernstörung, die durch einen oder mehrere der im folgenden Abschnitt „Ursachen“ genannten Gründe ausgelöst wurde.

Die verschiedenen Störungen beeinflussen jeweils auch andere Fächer. Für Textaufgaben in Mathematik muss gelesen und der Text verstanden werden. In Heimatkunde lesen und schreiben die Kinder und rechnen gelegentlich auch. Für Fremdsprachen brauchen sie Sprachverständnis und eine gute Sprachverarbeitung usw.

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Ursachen der Lernstörung:

Wenn Ihr Kind auf irgendeinem schulischen Lerngebiet Schwierigkeiten hat, dann gibt es Gründe dafür. Das können sein:

  • Entwicklungsverzögerungen
  • Anpassungsschwierigkeiten
  • Organische Gründe
  • Unzureichende Beschulung
  • Seelische und psychische Belastung
  • Genetische Ursachen
Im System Schule ist nicht viel Spielraum für Kinder die anders sind. Die in der Entwicklung noch nicht so weit sind, anders lernen, oder ein anderes Angebot, andere Ansprache, eine andere Umgebung brauchen. Manche kommen damit gut zurecht, andere gar nicht.

Wenn Ihr Kind Lernstörungen aufweist, die nicht durch die oben genannten Gründe oder geringe Intelligenz erklärbar sind, vermutet man in der Diagnostik eine umschriebene Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten, die im folgenden Kapital beschreiben wird.

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Diagnostik:

Betrachtet werden die schulische Bewertung, vorausgegangene Entwicklung (Kita, Vorschule, Kinderarzt, Fachpraxen oder Institute), Verhaltensauffälligkeiten, wie sehr ausgeprägt die Störungen sind und ob sie leicht beeinflussbar sind. Außerdem wird die Intelligenz getestet. Es wird auch danach geschaut, ob die Störung organisch bedingt sein kann. Die Untersuchungen sollen vorgenommen werden von/vom:
  • Kinder- und Jugendpsychiater
  • Kinder- und Jugendpsychotherapeut
  • Approbierter nichtärztlicher Psychotherapeut
  • Ärztliche und psychologische Fachkräfte von Erziehungsberatungsstellen
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Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten

Unter diesem Begriff sind im ICD-10, der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (Störungen des Denken, Fühlen, Handelns) der Weltgesundheitsorganisation WHO neben anderen Entwicklungsstörungen (z.b. Sprache und Motorik) die Lernstörungen schulischer Fertigkeiten klassifiziert.

Die dort klassifizierten Störungen haben gemeinsam, dass
  • ihr Beginn ausnahmslos im Kleinkindalter oder in der Kindheit liegt
  • eine Entwicklungseinschränkung oder –verzögerung von Funktionen vorliegt, die eng mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems verknüpft ist


Diese Störungen sind nicht durch die unter s.o. „Allgemein“ aufgeführten Gründe erklärbar. Sie sind nicht nur durch Mangel an Gelegenheit zu lernen und nicht durch eine erworbene Hirnschädigung oder Krankheit verursacht. Man glaubt heute, dass diese Störungen von Beeinträchtigungen der kognitiven Informationsverarbeitung herrühren, die größtenteils auf einer biologischen Fehlfunktion beruhen. Wie bei den meisten Entwicklungsstörungen sind auch hier Jungen wesentlich häufiger betroffen als Mädchen.


Rechenstörung

Die Diagnose „Rechenstörung“ wird gestellt, wenn Ihr Kind
  • hinreichend intelligent
  • ausreichend beschult
  • organisch gesund
  • seelisch und psychisch gesund
ist, seine Lese- und Rechtschreibfertigkeiten im Normbereich liegen und es nicht entsprechend seiner Intelligenz Rechnen lernt. Wenn seine Lese- und Rechtschreibfertigkeiten nicht im Normbereich liegen, dann wird voraussichtlich eine kombinierte Störung der schulischen Fertigkeiten diagnostiziert (Rechenstörung sowie Lese-Rechtschreibstörung).

Betroffen sind die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Weniger die höheren Rechenfertigkeiten, die z.b. für Algebra, Geometrie usw. nötig sind. Als Rechenstörung gilt nicht, wenn bereits gelernte Rechenfertigkeiten wieder verloren gehen, z.b. durch Unfall oder Krankheit.

Rechenstörungen sind weit weniger erforscht und untersucht als Lese- und Rechtschreibstörungen und man weiß leider noch wenig darüber. Da es aber so viele Kinder mit ganz massiven und offensichtlichen Problemen im Bereich Grundlagen des Rechnens gibt, ist man dazu übergegangen die Rechenstörung nach dem Vorbild der „Lese- und Rechtschreibstörung“ als Entwicklungsstörung zu betrachten. Weiteres folgt in Kürze.


Lese- und Rechtschreibstörung:

Die Diagnose „Legasthenie“ wird gestellt, wenn Ihr Kind
  • hinreichend intelligent
  • ausreichend beschult
  • organisch gesund
  • seelisch und psychisch gesund
ist und trotzdem unerklärlicherweise nicht entsprechend seiner Intelligenz Lesen und Schreiben lernt.

Das Hauptmerkmal ist eine umschriebene und eindeutige Beeinträchtigung der Entwicklung der Lesefertigkeiten. Das Leseverständnis, die Fähigkeit gelesene Worte wiederzuerkennen und vorzulesen sowie alle Aufgaben für welche Lesefähigkeit benötigt wird, können betroffen sein. Damit einher gehen häufig Rechtschreibstörungen.

In der Vorgeschichte gab es häufig eine umschriebene Entwicklungsstörung des Sprechens. Oft gab es Schwierigkeiten das Alphabet aufzusagen, Buchstaben zu benennen, Wortreime zu bilden und Laute zu unterscheiden (trotz normaler Hörschärfe).
In der späteren Kindheit sind dann meist die Rechtschreibprobleme größer als die Leseschwierigkeiten

In den Anfängen der Forschung suchte man die Gründe für eine Legasthenie erst in der visuellen, dann in der akustischen Wahrnehmung, schließlich im familiären Umfeld.

Ursache:
Heute geht man davon aus, dass es verschiedene relevante Einflussfaktoren gibt die zusammen wirken:
  • Legasthenie tritt familiär gehäuft auf
  • Umweltfaktoren wie schulische Unterrichtung und Förderung
  • Familiäre Faktoren wie z.B. Lese- und Rechtschreibprobleme der Eltern und der emotionale Umgang innerhalb der Familie mit dem Thema Schule
  • Genetische Ursachen
  • Wahrnehmungsstörungen in verschiedenen Bereichen (auditiv, visuell, taktil) durch unterschiedliche Ursachen, z.b. durch eine Mittelohr-Erkrankung während der sensiblen Phasen der Sprachentwicklung.
Viele Ursachen wirken zusammen. Die Störung kann unterschiedliche Formen annehmen und unterschiedlich ausgeprägt sein.

So etwas wie „Typische Legasthenie-Fehler“ gibt es übrigens (leider) nicht, weder eine bestimmte Systematik der Fehler noch stabile Fehlerprofile. Ein und dasselbe Wort kann immer wieder unterschiedlich falsch geschrieben werden.

Legasthenie wirkt sich auch auf die meisten anderen Schulfächer aus, da Lernen oft mit Lesen und Schreiben verbunden ist. Sie kann nicht geheilt werden, sondern es müssen Hilfs- Strategien entwickelt werden um damit in anderen Bereichen zurecht zu kommen.


Isolierte Rechtschreibstörung

Die Diagnose „Isolierte Rechtschreibstörung“ wird gestellt, wenn Ihr Kind
  • hinreichend intelligent
  • ausreichend beschult
  • organisch gesund
  • seelisch und psychisch gesund
ist und trotzdem unerklärlicherweise nicht entsprechend seiner Intelligenz die Rechtschreibung lernt. Das Hauptmerkmal besteht in einer umschriebenen und eindeutigen Beeinträchtigung in der Entwicklung von Rechtschreibschwierigkeiten, ohne die Vorgeschichte einer umschriebenen Lesestörung. Die Fähigkeit, mündlich und richtig zu buchstabieren und Wörter korrekt zu schreiben sind betroffen.
In einigen Fällen können die Rechtschreibschwierigkeiten von Schriftproblemen begleitet sein. Anders als bei den umschriebenen Lesestörungen sind die Rechtschreibfehler meist phonetisch korrekt. Es schreibt wie es hört, macht aber viele orthographische und grammatische Fehler.

Man weiß bislang nur wenig über die Vorläufer, den Verlauf, die Korrelate und den Endzustand von umschriebenen Rechtschreibstörungen.


Kombinierte Störungen schulischer Fertigkeiten

Die Diagnose „Kombinierte Störungen schulischer Fertigkeiten“ wird gestellt, wenn Ihr Kind
  • hinreichend intelligent
  • ausreichend beschult
  • organisch gesund
  • seelisch und psychisch gesund
ist und trotzdem unerklärlicherweise nicht entsprechend seiner Intelligenz sowohl Rechnen als auch Lesen und Schreiben/Rechtschreibung lernt.
Diese Kategorie ist eine Restkategorie für Störungen, bei denen sowohl Rechen- als auch Lese- und Rechtschreibfähigkeiten eindeutig beeinträchtigt sind.

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Psychische Belastung:

Eine Lernstörung ist immer eine psychische Belastung, aus welchem Grund auch immer Ihr Kind sie hat. Es ist ein Angriff auf das Selbstvertrauen des Kindes, meist eine Belastung für das Familienleben und kann eine erhebliche Beeinträchtigung der persönlichen emotionalen und sozialen Entwicklung Ihres Kindes zur Folge haben. Weiteres folgt in Kürze.

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